Wenn man ausgewanderte Deutsche fragt was sie denn so aus Ihrer Heimat vermissen ist die häufigste Antwort “das gute Brot” und genau so würden auch wir, in Irland Lebende, darauf antworten. Kräftiges Brot aus Sauerteig oder mit Körnern, Semmeln, Brezeln und mal eine Apfeltasche, genau das würde ich auf meiner Wunschliste ziemlich weit oben plazieren. Es geht nix über getoastetes, noch warmes, mit Marmelade bestrichenes Weißbrot zum Frühstück, allerdings passt es einfach nicht besonders zu einem kräftigen Stück Käse oder einer Salami zur Brotzeit oder einem deftigen Abendessen. Die irische Palette an Backwaren bietet zwar auch Vollkorntoast, aber eben nichts was einem Roggenbrot standhalten könnte. Um diese Lücke zu füllen war bisher immer selber backen angesagt, klappte gut, schmeckte lecker, war aber auch zeitaufwendig und manchmal nicht im Tagesablauf unterzubringen.
Nach über zwei Jahren in Irland hatten wir uns nun schon fast, ja fast, aber nur fast daran gewöhnt. Nun scheint endlich jemand unseren Wunsch und vermutlich die Hilferufe vieler anderer ge/erhört zu haben. (Natürlich nicht ganz uneigennützig)
Seit einigen Wochen wird bei Lidl in Dungarvan gebaut. Auf großen Bannern weist man darauf hin, daß der Betrieb wie gewohnt von Statten geht, während das Geschäft erweitert und verbessert wird. Um was genau erweitert werden soll ist nicht ganz schwer zu erraten, besonders dann wenn man die deutschen Lidl Märkte kennt. Eine Backstube oder besser gesagt eine “Aufbackstube” wird aktuell dem Lidl in Dungarvan, so wie fast allen anderen Fillialen auf der Insel, hinzugefügt.
Während in unserem Städtchen noch fleißig gebaut wird, haben wir das Warenangebot schonmal in Waterford City unter die Lupe genommen und ausprobiert. Man will ja schliesslich wissen was auf einen zukommt, im positiven Sinne versteht sich. Zu allererst fällt der Duft von frisch gebackenem auf, welcher sich durch den ganzen Lidl Markt zieht. Diesem Duft folgend steht man dann schon nach wenigen Schritten der, in Körben präsentierten Selbstbedienungstheke mit der vollen Produktpalette aus Backwaren gegenüber. Von Baguette über Brötchen mit oder ohne Körner gibt es außerdem Sauerteigbrot, Kürbiskernbrot, Brezeln, Käsesemmeln, Apfeltaschen, Schoko-Croissants und viele weitere Teigwaren. Die Zubereitung bzw. das aufbacken der Teiglinge erfolgt je nach Bedarf und vollkommen einsehbar direkt hinter der Auslage.
Erste Verkostungen unsererseits waren überzeugend gut, daß wir von diesem Angebot sicherlich Gebrauch machen werden, sobald die Filiale in Dungarvan ihre “Backstube” eröffnet hat. Außerdem gehe ich davon aus, daß neben den deutschen Insulanern auch der Ire oder Pole hier nicht “Nein” sagen wird, besonders weil die Preise wirklich angemessen und Geschmack sowie Qualität gut sind. Um eine zerstörerische Konkurenz den lokalen Bäckereien gegenüber mach ich mir so gut wie keine Sorgen da es so etwas wie eine “Bäckerei” in Dungarvan nicht gibt und kleine Cafe´s mit selbstgebackenen Scones und Kuchen sollten vom “Standard Backwerk” der deutschen Supermarktkette nichst zu befürchten haben.
Ich freu mich jedenfalls jetzt schon auf eine frische Butterbrezel, etwas das ich in Irland bis jetzt nur bei einem deutschen Bäcker auf dem Markt in Cork kaufen konnte. Allerdings wird mich dies sicher nicht davon abhalten weiterhin Scones mit Marmelande zu verputzen!
Ist doch schön wenn man beides haben kann…












